Julian Mink auf der CwX Germany 2026
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Vertrauen in KI: Warum Technologie allein nicht reicht

Künstliche Intelligenz ist längst in der Wirtschaftsprüfung angekommen. Doch mit ihrer zunehmenden Verbreitung verändert sich auch die zentrale Fragestellung: Es geht immer weniger darum, ob KI eingesetzt wird – sondern darum, wie sie sinnvoll, sicher und vertrauenswürdig in bestehende Arbeitsprozesse integriert werden kann.

Genau diese Frage stand bei der CwX Germany 2026 im Mittelpunkt der Session “Der KI-Vertrauenskompass”. Denn leistungsfähige Modelle allein schaffen noch keinen Mehrwert. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Technologie, Prozessen, Kontext, Governance und dem menschlichen Urteilsvermögen.

Von einzelnen KI-Tools zum integrierten Einsatz

Viele Unternehmen und Kanzleien haben bereits erste Erfahrungen mit KI gesammelt. Doch die Verfügbarkeit eines Tools bedeutet noch lange nicht, dass KI auch flächendeckend und zielgerichtet eingesetzt wird.

Julian Mink, Head of German Solutions bei Caseware Germany, machte in der Session deutlich, dass die Herausforderung deshalb weniger in einem Mangel an KI-Anwendungen liegt. Vielmehr entstehen vielerorts Einzellösungen: Einzelne Mitarbeitende beschäftigen sich intensiv mit den Möglichkeiten, während das Wissen noch nicht im gesamten Team angekommen ist. Die entscheidende Frage lautet daher: Wie lassen sich Rahmenbedingungen schaffen, mit denen KI nicht nur bereitgestellt, sondern tatsächlich in der täglichen Arbeit genutzt wird?

Eine Antwort darauf liefert der vorgestellte AI Trust Stack. Er betrachtet fünf Dimensionen, die für einen vertrauenswürdigen KI-Einsatz zusammenspielen müssen: Intelligenz, Agenten, Workflow, Kontext und Governance.

Intelligenz allein schafft noch kein Vertrauen

Die Fähigkeiten moderner Sprachmodelle entwickeln sich mit hoher Geschwindigkeit. Gleichzeitig zeigen sie, dass technologische Leistungsfähigkeit nicht mit uneingeschränkter Verlässlichkeit gleichgesetzt werden kann.

KI-generierte Antworten können variieren. Umso wichtiger wird das System, das um das eigentliche Modell herum aufgebaut wird. Für einen professionellen Einsatz reicht es nicht, ausschließlich auf die Qualität eines einzelnen Outputs zu schauen. Auch der Weg dorthin muss nachvollziehbar sein.

Gerade in der Wirtschaftsprüfung ist das entscheidend. Schließlich geht es nicht nur darum, möglichst schnell zu einem Ergebnis zu gelangen. Prozesse müssen nachvollziehbar und Ergebnisse fachlich gewürdigt werden können.

‍Wenn aus dem Assistenten ein Agent wird

Mit Agentic AI zeichnet sich gleichzeitig der nächste Entwicklungsschritt ab. Während KI heute häufig noch als Assistent eingesetzt wird, beispielsweise um Informationen zusammenzufassen oder Fragen zu beantworten, können Agenten innerhalb eines Prozesses konkrete Aufgaben übernehmen.

Dazu können etwa das Bearbeiten von Checklisten, das Erstellen von Vorschlägen oder die Verarbeitung von Dateien gehören. Für den Einsatz in der Wirtschaftsprüfung ist dabei jedoch eine Unterscheidung zentral: Agentic bedeutet nicht automatisch autonom.

Der Mensch bleibt Teil des Prozesses. KI kann vorbereiten, analysieren und Vorschläge liefern. Die fachliche Würdigung und Verantwortung bleiben jedoch beim Menschen – ein „Human in the Loop“-Ansatz, der gerade für einen Berufsstand mit hohen Anforderungen an Qualität und Nachvollziehbarkeit eine wesentliche Rolle spielt.

KI muss dort ankommen, wo die Arbeit stattfindet

Wirtschaftsprüfung ist geprägt von Standards, Methodiken, Dokumentation und klar definierten Abläufen. Genau darin liegt eine weitere Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von KI: Sie darf nicht losgelöst von diesen Prozessen betrachtet werden.

Ein separates KI-Tool kann zwar gute Antworten liefern. Wenn Informationen anschließend jedoch manuell übertragen und Ergebnisse außerhalb des eigentlichen Arbeitsprozesses weiterverarbeitet werden müssen, bleibt ein Teil des möglichen Effizienzgewinns ungenutzt.

Der größere Hebel entsteht deshalb durch die Integration von KI in bestehende Workflows. Die Technologie wird damit nicht zu einem zusätzlichen Arbeitsschritt, sondern zu einem Bestandteil der täglichen Arbeit.

Kontext schlägt Prompt

Doch selbst eine gut integrierte KI benötigt die richtigen Informationen.

Professionelles Urteilsvermögen basiert schon heute auf Kontext: auf dem Wissen über den Mandanten, auf Gesprächen, Dokumentationen und den Informationen innerhalb einer Prüfungsakte. Soll KI fachlich relevante Ergebnisse liefern, benötigt auch sie Zugang zu dem Kontext, der für die jeweilige Aufgabe entscheidend ist.

In der Session wurde dieser Gedanke auf eine einfache Formel gebracht: „Kontext schlägt Prompt.“

Dabei gilt allerdings nicht: je mehr Informationen, desto besser. Zu viel Kontext kann ebenfalls hinderlich sein. Entscheidend ist, für eine konkrete Aufgabe genau die Informationen bereitzustellen, die tatsächlich benötigt werden.

Governance macht KI nachvollziehbar

Mit zunehmender Integration von KI gewinnt schließlich Governance an Bedeutung.

Wenn Ergebnisse von KI-Systemen variieren können, muss nachvollziehbar bleiben, wie ein Ergebnis zustande gekommen ist: Welche Schritte hat das System durchgeführt? Welche Unterlagen wurden berücksichtigt? Welche Informationen wurden ausgewertet? Und welche Entscheidungen wurden anschließend durch den Menschen getroffen?

Vertrauen entsteht damit nicht zwangsläufig dadurch, dass ein KI-System bei jeder Ausführung exakt denselben Output produziert. Entscheidend ist vielmehr, dass der zugrunde liegende Prozess transparent und nachvollziehbar gestaltet ist.

Der Mensch bleibt ein entscheidender Teil der Gleichung

Damit zeigt die Diskussion um KI in der Wirtschaftsprüfung auch: Die technologische Entwicklung ist nur ein Teil der Transformation.

Unternehmen müssen eine Umgebung schaffen, in der Mitarbeitende neue Technologien tatsächlich nutzen können und wollen. Denn Hürden bei der Einführung von KI sind nicht auf einzelne Altersgruppen beschränkt. Neben den technologischen Voraussetzungen braucht es deshalb auch eine Unternehmenskultur, die Veränderung ermöglicht, unterstützt und aktiv begleitet.

Das Ziel ist dabei nicht, menschliches Urteilsvermögen zu ersetzen. KI kann administrative und repetitive Tätigkeiten übernehmen und dadurch Freiräume schaffen. Diese gewonnene Zeit kann dort eingesetzt werden, wo menschliche Fähigkeiten besonders gefragt sind: bei der Würdigung und Bewertung von Ergebnissen sowie im Austausch mit Mandanten.

Die zentrale Botschaft der Session auf der CwX Germany 2026 lautet damit: Der erfolgreiche Einsatz von KI entscheidet sich nicht allein an der Leistungsfähigkeit der Technologie. Vertrauen entsteht durch ihr Zusammenspiel mit Workflows, relevantem Kontext, klarer Governance und menschlichem Urteilsvermögen.

Und genau darin könnte für die Wirtschaftsprüfung eine der großen Chancen liegen: KI nicht als isoliertes Werkzeug zu betrachten, sondern als integrierten Bestandteil einer Arbeitsweise, in der Technologie und menschliche Expertise einander ergänzen.

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