

KI verändert Arbeit und stellt den Menschen vor neue Fragen
Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz nicht mehr nur Aufgaben automatisiert, sondern Entscheidungen vorbereitet, Arbeitsweisen verändert und damit auch unsere eigene Rolle neu definiert? In ihrer Session „KI im Wandel: Chancen und Herausforderungen für Organisationen, Arbeit und Führung“ auf der CwX Germany 2026 richtete Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg, Geschäftsführende Direktorin des Berliner SRH Instituts für Nachhaltiges Management, den Blick auf genau diese Fragen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Organisationen und Menschen mit einer Technologie umgehen, die längst Teil des Arbeitsalltags geworden ist, und welche Fähigkeiten wir gerade deshalb stärken sollten.
Wenn KI mehr kann als automatisieren
Die Diskussion über KI dreht sich häufig um Effizienz: Welche Aufgaben können automatisiert werden? Wo lassen sich Prozesse beschleunigen? Und welche Tätigkeiten kann eine KI künftig übernehmen?
Die Entwicklung von KI eröffnet inzwischen Möglichkeiten, die weit über die reine Automatisierung hinausgehen. KI kann Informationen analysieren, Empfehlungen geben und Entscheidungen vorbereiten. Genau hier verändert sich das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie.
Mit diesen wachsenden Möglichkeiten gewinnt auch der bewusste Umgang mit KI-Empfehlungen an Bedeutung. Je besser KI darin wird, uns Arbeit abzunehmen, desto verlockender kann es sein, ihren Empfehlungen unmittelbar zu folgen. Eine Entscheidung wirkt schnell plausibler, wenn ein intelligentes System sie vorgeschlagen hat. Die Verantwortung für diese Entscheidung bleibt jedoch beim Menschen.
Für Unternehmen entsteht damit eine neue Aufgabe: Sie müssen entscheiden, wo KI eingesetzt werden kann und wie weit ihre Rolle im jeweiligen Prozess reichen sollte.
Welche Fähigkeiten brauchen wir auch in Zukunft?
Mit der zunehmenden Unterstützung durch KI rücken auch die Fähigkeiten in den Fokus, die Menschen weiterhin benötigen und gezielt stärken sollten.
Wenn Systeme Informationen zusammenfassen, Texte formulieren oder Entscheidungen vorbereiten, kann das eine große Entlastung sein. Umso wichtiger ist es, menschliche Fähigkeiten weiterhin aktiv zu trainieren, anstatt sie dauerhaft an Technologie zu delegieren.
Anabel Ternès von Hattburg rückte deshalb insbesondere kritisches Denken und Urteilskraft in den Mittelpunkt. Die Fähigkeit, KI zu bedienen, ist dabei nur ein Teil. Menschen müssen weiterhin in der Lage sein, Ergebnisse einzuordnen, zu hinterfragen und selbst Entscheidungen zu treffen.
Gerade in einem professionellen Umfeld ist das entscheidend. Neben der Frage „Was kann KI für mich tun?“ gewinnt deshalb eine zweite an Bedeutung: „Was möchte und muss ich weiterhin selbst können?“
KI als Unterstützung – ohne die eigene Stimme zu verlieren
Wie wichtig die eigene Rolle im Zusammenspiel mit KI bleibt, zeigte die Session an einem einfachen Beispiel: Eine Rede kann heute vollständig von KI geschrieben werden. Möglicherweise ist sie sprachlich einwandfrei, gut strukturiert und auf ihre Zielgruppe zugeschnitten.
Entscheidend ist jedoch mehr als die sprachliche Qualität: Ist die Rede überzeugend? Und ist die Person, die sie hält, darin noch wiederzuerkennen?
KI kann Ideen liefern, Strukturen vorschlagen und beim Formulieren unterstützen. Sie kann damit ein leistungsfähiger Assistent sein. Der größte Mehrwert entsteht, wenn diese Unterstützung die eigenen Gedanken und die eigene Perspektive ergänzt, statt den gesamten kreativen und gedanklichen Prozess zu übernehmen.
Die menschliche Rolle wird damit nicht zwangsläufig kleiner. Sie verändert sich.
Führung wird zur Orchestrierungsaufgabe
Diese Veränderung betrifft auch Führung.
Wenn menschliche und künstliche Intelligenz zunehmend zusammenarbeiten, kommt Führungskräften eine wichtige Aufgabe zu: Sie müssen erkennen, welche Fähigkeiten an welcher Stelle gebraucht werden und wie menschliche und technologische Kompetenzen sinnvoll zusammenspielen können.
Anabel Ternès von Hattburg beschreibt Führungskräfte in diesem Zusammenhang als eine Art Dirigenten: Ihre Aufgabe besteht zunehmend darin, unterschiedliche Kompetenzen zu orchestrieren – menschliche ebenso wie technologische.
Eine erfolgreiche Transformation bezieht dabei die gesamte Organisation ein. Mitarbeitende sollten an der Entwicklung neuer Arbeitsweisen beteiligt werden. Denn sie kennen die Prozesse, Schnittstellen und Herausforderungen ihrer täglichen Arbeit und können damit auch beurteilen, wo KI tatsächlich unterstützen kann.
Automatisieren, unterstützen, schützen oder gemeinsam gestalten?
Wie lässt sich daraus ein konkreter Umgang mit KI ableiten?
In der Session wurden vier Perspektiven aufgezeigt, die Unternehmen dabei helfen können, Einsatzmöglichkeiten differenzierter zu betrachten:
- Automate: Welche Aufgaben kann eine Maschine sinnvoll übernehmen?
- Augment: Wo kann KI Menschen unterstützen und ihre Fähigkeiten erweitern?
- Protect: Wo sollte der Mensch eingebunden bleiben und die Verantwortung für Entscheidungen behalten?
- Create: Wo können Mensch und KI gemeinsam neue Ideen, Lösungen und Arbeitsweisen entwickeln?
Damit verschiebt sich auch die Kompetenz, die Unternehmen im Umgang mit KI benötigen. Gefragt ist die Fähigkeit, Aufgaben sinnvoll zu delegieren, Mensch und Technologie zu orchestrieren und KI-generierte Informationen zu beurteilen. Gute Prompts und die Beherrschung einzelner Tools bilden dafür eine Grundlage – entscheidend wird jedoch das Zusammenspiel dieser Fähigkeiten.
Menschliche Fähigkeiten gewinnen an Bedeutung
Die Transformation durch KI reicht weit über die Einführung einer neuen Software hinaus. Sie verändert Rollen, Zusammenarbeit und Führung und eröffnet Organisationen die Möglichkeit, bewusster zu definieren, welche Fähigkeiten sie langfristig erhalten und stärken wollen.
Richtig eingesetzt kann KI Freiräume schaffen und menschliche Fähigkeiten ergänzen. Dafür müssen Unternehmen bewusst definieren, welche Aufgaben sie Technologie überlassen und an welchen Stellen menschliche Urteilskraft, kritisches Denken, Kreativität und Verantwortung besonders gefragt sind.
Eine zentrale Botschaft der Session auf der CwX Germany 2026 war deshalb: Entscheidend für die Zukunft der Arbeit ist das Zusammenspiel von Mensch und KI und wie wir dieses aktiv gestalten.
Genau darin liegt eine der zentralen Aufgaben für Organisationen und Führungskräfte: aktiv zu entscheiden, welche Rolle KI in der eigenen Organisation spielen soll und gleichzeitig die Fähigkeiten zu stärken, die Menschen auch in einer zunehmend KI-geprägten Arbeitswelt auszeichnen.






